Die Entmystifizierung der Dinge

Als wir Kinder waren, wurde uns oftmals ein X für ein U vorgegaukelt. Vielleicht, weil die Erwachsenen von damals sich gerne mal einen Scherz auf Kosten der Kleinsten erlaubten, vielleicht auch, weil sie gewisse Tatsachen ausblenden, der eigenen Rationalität entfliehen wollten. Gut möglich, dass es teilweise schlicht und einfach auch auf Unwissen der Erwachsenen basierte, wenn sie uns Kindern etwas vorschwindelten. Als wir den Scherzen der Grossen jeweils auf die Schliche kamen, folgte in der Regel postwendend der Rachefeldzug mit ausgeklügeltem Schlachtplan. In der mit Imagination gesegneten Welt von Kindern ein leichtes Spiel.
Sie erkennen das Muster? Heute agieren Sie als der erwachsene Part, tischen hin und wieder den Kleinen ein paar Ungereimtheiten auf? Und lachen sich dabei klammheimlich ins Fäustchen über den gelungenen Streich? Seien Sie auf der Hut.

Denn es gibt sie. Die unverzeihlichste Lüge aller Zeiten schlechthin: «kleines Froilein, aus jeder Raupe wird einmal ein wunderschöner Schmetterling», sagten mir meine Eltern, Grosseltern und jeder, von dem ich es hören wollte. Ich sammelte Raupen und verbrachte Stunden damit, ihnen ausgewähltes Futter zu reichen, ihnen beim Verpuppen zuzusehen, nur um die Verwandlung jeweils zu verpennen. In meinen infantilen (Tag-)Träumen sah ich Schmetterlinge in allen Farben über die Gänseblümchenwiese fliegen, selbst die fetteste und scheusslichste Raupe war in meiner Vorstellung positiv konnotiert. Es ging soweit, dass ich daran glaubte, dass alles und alle eine Verwandlung durchmachen und etwas Wunderschönes daraus entstehen würde. Man liess mich in diesem Glauben. Etliche Zeit später, ich konnte zwischenzeitlich lesen und mir Wissen aneignen, deckte ich den Betrug auf. Spätestens in meinen Anfängen als Hobbygärtnerin, stellte ich fest, dass Raupen mitnichten immer schöne Schmetterlinge werden und sowohl Raupe wie auch der gemeine, hinterhältige und fresssüchtige Käfer (der mal Raupe war) innerhalb einer Nacht eine Schneise durch wachsendes Gemüse schlagen können, wenn sie denn wollen.

Nein, augenscheinlich verwandelt sich nicht jede Raupe in einen Schmetterling. Schliesslich verwandelt sich ein Tixi-Klo auch nicht in eine Edeltoilette. Da kann man Philippe Starck ranlassen, wie man will. Ein Tixi-Klo bleibt ein Scheisshaus sondergleichen und kommt einer selbstgebauten Latrine im Pfadfinderlager doch sehr nah. Eines, in das man nur mit 25 Promille intus oder als Stehpinkler freiwillig einen Fuss hineinsetzt.
Selbst bei Menschen sehen wir keine durchschlagenden Erfolge in der Causa «Raupe wird Schmetterling». Nicht einmal der Neuling, der gerade aus dem Geburtskanal gedrückt wurde, zyanotisch schreiend und blutverschmiert auf Mutters Brust liegend (der in seinem Leben öfters mal insgeheim darum betteln wird, man möge ihn wieder dort hin stecken, woher er gekommen war) hat das Prädikat Schmetterling verdient. Denn Achtung: einer Metamorphose liegen mehrere Faktoren zu Grunde, als nur geboren zu werden, zu futtern und sich dann zu verpuppen. Allgemeinhin bekannt als: Erziehung, Werte, Selbstbild.

Ein Beispiel: ein Vollidiot, der rassistische und frauenfeindliche Polemik betreibt, bleibt einfach ein Vollidiot, der rassistische und frauenfeindliche Polemik betreibt. Selbst ein vorangestelltes «Mister President» richtet in diesem Fall nichts mehr aus. Da kann man Philippe Starck ranlassen wie man will. Ein Scheisshaus bleibt ein Scheisshaus.

P.S: Die im Vorfeld Zeter und Mordio schreienden Medienschaffenden, welche dem Vollidioten während seines Aufenthaltes in der Schweiz in Habachtstellung salutierten und ihm Ehre erwiesen, sind sich hoffentlich bewusst, dass die Authentizität ihrer Artikel sowohl jetzt als auch in Zukunft in Frage gestellt werden. Bisweilen ersetzen solche Artikel und Zeitschriften – meiner Meinung nach zu Recht – das Scheisspapier in Tixi-Klos.

Olma-Bashing

Eine Schmähschrift spaltet die Gemüter. Per Wikipediadefinition wird sie wie folgt beschrieben:

«Ein Pamphlet oder eine Schmähschrift ist eine Schrift, in der sich jemand engagiert, überspitzt und polemisch zu einem wissenschaftlichen, religiösen oder politischen Thema äußert. Die sachliche Argumentation tritt dabei in den Hintergrund; die leidenschaftliche Parteinahme gegen eine Sache hingegen überwiegt bei der Argumentation. Die Herabsetzung einer anderen Person wird dabei billigend in Kauf genommen oder ist sogar das eigentliche Ziel des Pamphlets. Diesem Ziel werden Argumentation, Sprachstil und besonders die rhetorische Ausgestaltung untergeordnet: der Herabsetzung des Gegners dienen etwa Verkleinerungsformen oder Tiermetaphern.»

Ralph Weibels Text über die Olma zeigt wie’s geht. Und so lässt das Froilein ausnahmsweise einen Gast auf Textzentrale.ch zu Wort kommen. Zum Brüllen komisch. Findet zumindest die Redaktion. Und Sie?

Olma-Bashing von Ralph Weibel