Im Gespräch

Gehen zwei Freunde beiseite her
sagt der eine zum andern
das Leben ist schwer.

Erklärt der andere dem einen
während sie schlendern
du sollst hier nicht weinen.

Wie wahr, so viel gibt’s zu machen
sagt der eine zum andern
so wandern sie weiter und lachen.

Literarische Arbeit

Das Froilein arbeitet wieder mal an 3SatzGeschichten. Manchmal wird stundenlang an den Sätzen herumgespielt, gestrichen, umgestellt und wieder neu geschrieben und manchmal steht eine 3-Satz-Geschichte innerhalb weniger Minuten, weil ein Wort einfach das andere ergab. Einfach und schwierig zu gleichen Teilen:

Die Zerstörung
Weiss wie eine unberührte Leinwand kommt sie daher und erfüllt mich mit Klarheit. «Ich liebe dich», flüstere ich dieser Leere im Kopf zu. «Ich hasse euch», sage ich zu meinen Erinnerungen, die sich wie Wellen ungefragt über diesen leeren Moment schlagen, ihn besudeln, den Atem nehmen und ohne Aussicht auf Rettung rücksichtslos ertränken.

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Gesellschaftsdemenz 2015

Das Froilein ärgert sich gelegentlich über das fehlende Feingefühl etlicher Zeitgenossen. Da stellt sich die Frage: ist es legal, den Ärger in Worte zu fassen und ihm eine Stimme zu geben? Ja, ist es. 

Selbst ein Dachziegel begegnet seinesgleichen in diesen schlampigen Tagen mit mehr Verstand, Empathie und Beständigkeit, als manch ein Mensch seinem Mitmenschen. Sich selbstgefällig in einen Olymp hochschaukelnd und auf einen imaginären Thron setzend, vergessen diese Menschen bisweilen, dass auch sie nicht mehr sind als ein rein biologisch abbaubares Produkt. Dass auch ihr süffisant aufgesetztes Lächeln ihnen nicht über die Tatsache hinweghilft, irgendwann als aufgespaltenes Molekül zu enden.

Verdichtung

Verdichtete Texte haben wie alle Dinge im Leben zwei Seiten. Erstens sind sie viel zu kurz, um ganze Bücher damit füllen zu können. Zweitens lassen sie sich nicht wie einen Roman lesen. Die gute Nachricht: Verdichtete Texte kommen in ihrer Knappheit gehaltvoller, meist auch pointierter daher. Sie klingen nach – manchmal ein Leben lang – und geben zum Anlass ein zweites oder gar drittes Mal gelesen zu werden.

Für mich als Autorin bleiben Dreisatzgeschichten eine Herausforderung im Schreiballtag. Sie sind nicht, wie man denken könnte, einfach schnell hingekraxelt und auf Papier gefestigt. Wie Traubensaft in einem Holzfass müssen sie sich entfalten, um eines Tages ausgeschenkt und verköstigt zu werden.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf das Wohl verdichteter Texte. 

Der Blinde und der Sehende
«Strand», schreist du und einige Meter weiter sagst du: «Fischer». Entfernt zu hören das heisere Kreischen eines Schwarmes Möwen. Eisiger Wind peitscht mir ins Gesicht, liebkost meine Konturen und ich sage: «Salz auf meiner Haut».

Der letzte Angeltag
Nach einer langen Zeit des Ausharrens schnappte ein Hecht nach seinem Köder. Er zappelte, wand sich, zerrte an der Angelschnur, japste nach Leben und versteifte sich, bevor er aufgab. Der Hecht indessen schaute das Ende abwartend dem Fischer und dessen Todeskampf zu, machte sich vom Hacken los und verschwand mit dem Köder im Maul in die Tiefe.

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