Im Gespräch

Gehen zwei Freunde beiseite her
sagt der eine zum andern
das Leben ist schwer.

Erklärt der andere dem einen
während sie schlendern
du sollst hier nicht weinen.

Wie wahr, so viel gibt’s zu machen
sagt der eine zum andern
so wandern sie weiter und lachen.

Verletzter Ozean

Das Froilein ist die Tage ein bisschen melancholisch gestimmt. Dieser Zustand verleitet sie in der Regel zum Verfassen von lyrischen Texten. Wer sich das nicht antun will, sei beruhigt. Das Froilein produziert auch anderes.

Ein Wort von
Ein Gedanke an
Ein Bild im
Eine Erinnerung um

Verdrängtes
An der Oberfläche
Aufgewühlt und ausgeliefert
Hin- und hergeworfen

Präsent
Im Schmerz vergangener Tage
Sehnlichst erwartet
Ihr Untergang

Katastrophen und ihre Ausschlachtung

Tun wir’s oder tun wir’s nicht, fragt sich die Medienwelt dieser Tage. Über das Vorgehen scheinen sich längst nicht alle einig zu sein. Die Rede ist von der Veröffentlichung von Bildern und Inhalten zur aktuellen Katastrophe, bei der 150 Menschen ihr Leben verloren. Was zeigt man und was nicht? Wo fängt Pietätlosigkeit an und wo hört sie auf? Sind Schattenbilder kreisender Helikopter die sich auf Trümmerteilen abzeichnen genügend und gut? Weshalb ist gut nie gut genug? 

Es geht nicht nur um die Katastrophe. Gerade so gut könnte ein Waschbär einen Globetrotter auf Maui angefallen und zerfleischt haben, was an sich ein ziemlich grausames Bild darstellt und die menschliche Vorstellungskraft zweifelsohne aktiviert, wenn man nur schon davon hört. Seien wir ehrlich: wir sind süchtig nach Bildern und Inhalten, die grenzüberschreitend sind. Es ist wohl oder übel diese Wechselwirkung zwischen Medien und Medienempfängern, die zum Endprodukt führt.

Nichtsdestotrotz hat sich das Froilein unlängst im Studium mit dem Thema Tabu befasst. Wir mussten über ein Tabu schreiben, irgendwas, was uns schwerfällt aufs Papier zu bringen. Folgendes Gedicht entstand als persönliches Resümee:

Die Enttabuisierung der Welt

Heute
alles bloßgelegt und breitgetreten
zu viel des Wissens, kein Geheimnis mehr
Regeln und Verbote
da zum Biegen und zum Brechen.

Unantastbares weggespült
Empfindungen abgestumpft, gekrönt mit leiser Scham
so reiten wir auf Wellen der Entrüstung
hin- und hergeworfen
zwischen recht und falsch.

Zurück bleibt der Nachgeschmack
schaler Euphemismen
das einzige Tabu, so wie es scheint
das uns erhalten bleibt
aus einer fernen, verletzlichen Zeit.

Fremdling

Unter dem Apfelbaum
ruht ein schwarzes Schaf.
Tag für Tag
inmitten all der anderen.

Frisst vom selben Gras,
schleckt vom selben Salz,
atmet die selbe Luft ein
und blöckt die selben Weisen.

Unter dem Apfelbaum
ruht ein schwarzes Schaf.
Tag für Tag geduldig darauf wartend,
dass seinesgleichen sich zu
ihm gesellen.