Die Cervelat und ihre Konkurrenz

Endlich bekommt die Redewendung “es geht um die Wurst” einen neuen Sinn. Während der Eurovision Song Contest allerorts kontrovers diskutiert wird, schlängelt sich derweil eine Wurst an die Spitze von Europas Singasong-and-jump-on-the-stage-Gilde. Conchita, wie die Wurst mit Vornamen angesprochen werden will, tanzte sich mit wenig Oberweite, mädchenhaft geschwungenen Hüften und einem Damenbart, dem ein Epiliergerät nicht gewachsen zu sein schien, in die Herzen von Europas Zuschauer. Wenigen blieb die Wurst hingegen im Hals stecken und löste Sodbrennen aus.
Nun, es lässt sich streiten, ob Männer mit Bart in Frauenkleidern hübsch aussehen oder ob Österreicher Würste mehr zu bieten haben als die heimische Cervelat. Ebenso kann darüber diskutiert werden, ob der Epiney eine moderate Moderationswahl von SRF war (Einschlafmodus on). Fakt ist: Man(n) spricht wieder eine Weile über den ESC, seine politischen Auswirkungen und – oh, Achtung – über Toleranz. Ein Wort, welches wie ein Phönix aus der Asche steigt, kaum einer richtig einzuordnen weiss und wenn der Zauber vorbei ist wieder dorthin verschwindet, woher es auf so unerklärlicherweise kam: in die Versenkung der Hirnwindungen der Menschen. Verbannt und verloren.

Liebe Europäer, Toleranz beginnt nicht mit dem Eintippen einer SMS und der Wahl einer Wurst aufs Siegertreppchen. Toleranz beginnt bei sich selbst. Aus dem Ich heraustreten und dem Du eine Chance geben. Egal ob es sich um den Nachbarn, die Verkäuferin von Kasse vier oder den Medizinstudenten auf der Orthopädie handelt. Über Toleranz zu sprechen ist zwar schön, sie im Alltag unterzubringen jedoch das Ziel, das angestrebt werden soll.

Mein Fazit: Der Eurovision Song Contest verkommt zur europaweiten Camouflage, Conchita Wurst wird hochgelobt und dann doch nicht so heiss gegessen, wie sie grilliert wurde und der ORF geht nächstes Jahr pleite, wenn er den millionenschweren Contest ausrichten wird (muss).
Und ich? Ich werf mir jetzt eine Cervelat auf den Grill. Der Rest ist mir Wurscht.