zeitloser Kandinsky

Zu Beginn der Ausbildung an der SAL erhielten wir den Auftrag einen kurzen, dadaistisch angehauchten Text über das Bild von Kandinsky zu schreiben.
Die Zeilen fielen mir heute in die Hände und brachten mich zum Nachdenken. Über die Situation in der Ukraine. Über Macht und Ohnmacht. Und darüber, dass Texte zeitlos sein können. Sei es das Russland von 1916 oder das Russland von Heute: Aufruhr, Hunger, Revolte und Krieg herrschen immer noch und immer wieder. Leider.

Wassily-Kandinsky-Moscow-I-Oil-PaintingWassily Kandinsky “Moskau” (1916)

“Tot, tot, tot!”, schreit die Orgel aus dem Kreml.
Siebenmeilenstiefel und bockstössige Himbeertürme schlagen Purzelbäume.
Durch die Gassen weht ein dunkles Licht. Frisst auf den Krieg.
“Revolte!” sagt der Bauch des armen Bauern. Frieden walkt die Bäckersfrau.
Und willig hüpft die Wolga über die Gräber der Genossen.
Der Himmel geht auf, zerbirst in tausend Scherben – Moskau verstummt.