Ehrenwort

“Liebling, ich geb dir mein Ehrenwort!” Schmachtend, beinahe verzehrend schaute er sie an. Dieser verdammte Hundeblick ging ihr auf die Nerven. Nicht noch einmal würde sie darauf reinfallen. Zur Genüge hatte er sie belogen und betrogen, kam immer wieder angekrochen, fiel in ihre Arme, bettelte um Vergebung und weinte künstliche Tränen. Sie brauchte das nicht mehr. Sie brauchte ihn nicht mehr.

“Glaub mir, bitte. Bitte …”  Ein letztes aufbäumendes, unehrliches Flehen.
“Vergiss es.” Abrupt fiel sie ihm ins Wort. Zum ersten Mal liess sie ihn ihre ganze Wut spüren. Leid tat ihr das nicht. Im Gegenteil. Jetzt war er gekommen, ihr persönlicher Moment. Er gehörte ihr. Sie liess ihn sich nicht nehmen. “Weisst du was dein Ehrenwort wert ist?” Er zuckte mit den Schultern, richtete peinlich berührt seinen Blick zu Boden. “Ich nehme dein Ehrenwort, zerkrümle es in kleine Teile, drapiere es sorgfältig auf ein Zigarettenpapier und rolle es schön zusammen. Dann entflamme ich die Kippe und puff, siehe da, dein Ehrenwort geht in Rauch auf.”

Mit einer schwungvollen Bewegung machte sie auf ihren Absätzen kehrt und ging davon. Kein Blick zurück. Nichts hielt sie davon ab, diesen Mann in diesem Augenblick zu verlassen.